Im Rahmen eines von Erasmus+ geförderten Jobshadowings verbrachte BKB-Lehrer Wim Waumans eine intensive und lehrreiche Woche in De Passer, einer sonderpädagogischen Sekundarschule für Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) im belgischen Brügge. Vom 9. bis 13. März 2026 hospitierte er dort gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Island, Dänemark und Schweden, um den schulischen Umgang mit Jugendlichen mit ASS aus erster Hand kennenzulernen.
De Passer ist eine Schule des buitengewoon secundair onderwijs (sonderpädagogischen Sekundarunterrichts) in Sint-Michiels bei Brügge, die sich auf normal- bis hochbegabte Jugendliche mit diagnostizierter ASS spezialisiert hat. Die Schülerinnen und Schüler folgen denselben Lehrplänen wie im regulären Sekundarunterricht, erhalten aber eine intensiv an ihre besonderen Bedürfnisse angepasste Begleitung und Umgebungsgestaltung. „Die Arbeit, die dort geleistet wird, ist erstaunlich“, so Waumans. „Es ist unheimlich faszinierend zu sehen, wie konsequent und professionell das gesamte pädagogische Team in Brügge ein optimales Lernumfeld für diese Jugendlichen schafft – von der räumlichen Gestaltung bis hin zu einer durchdachten Tagesstruktur.“
Das Programm der Woche war dicht gepackt und vielfältig: Am ersten Tag erhielten die Teilnehmenden eine Einführung in das belgische Bildungssystem und die Arbeit von De Passer, gefolgt von Mini-Workshops zu Themen wie dem Umgang mit ASS im Unterricht, der Stärkung exekutiver Funktionen und dem Lernenlernen bei Jugendlichen mit ASS. An den folgenden Tagen standen Präsentationen zur schulischen Gesundheitspolitik und zum Übergangsjahr zwischen Schule und Berufsleben auf dem Programm. Besonders eindrucksvoll war die Vorstellung des Peer-Support-Projekts durch zwei Oberstufenschüler von De Passer, die als Vertrauensschüler für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler fungieren. In hervorragendem Englisch erklärten sie den internationalen Gästen, wie sie Gleichaltrige mit ASS im Schulalltag unterstützen.
Neben den Präsentationen und Workshops konnten die Lehrkräfte in kleinen Gruppen im Unterricht an De Passer hospitieren – sowohl im Praxisunterricht in der Grafikwerkstatt und im Bereich Logistik als auch in theoretischen Englischstunden. Darüber hinaus besuchten sie eine weitere Schule für Jugendliche mit ASS, Atelier B, eine Einrichtung mit Schwerpunkt auf die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt. Am Donnerstagnachmittag präsentierten die internationalen Teilnehmenden ihre eigenen Schulen und tauschten sich in moderierten Rundtischgesprächen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren jeweiligen Bildungssystemen aus.
Natürlich gehörte auch das Kennenlernen der Kultur und Geschichte des Gastgeberlandes zum Programm. Bei einer zweistündigen kulturhistorischen Stadtführung erkundeten die Lehrkräfte Brügge, das vor allem im 15. Jahrhundert als eines der wichtigsten Handelszentren Nordwesteuropas eine Zeit beispiellosen wirtschaftlichen und künstlerischen Aufschwungs erlebte. „Die ganze Veranstaltung fand auf Englisch statt“, berichtet Waumans, selbst gebürtiger Belgier, „aber ich habe auch die vielen Gelegenheiten genossen, endlich mal wieder das wunderschöne Niederländisch mit dem sanften flämischen Akzent hören und sprechen zu können.“
Das Fazit nach fünf intensiven Tagen fiel bei allen Beteiligten durchweg positiv aus: „Am Ende der Woche waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeistert“, bilanziert Waumans, fest entschlossen, auch die dritte Säule solch internationaler Begegnungen das Networking, künftig umzusetzen: „Trotz kultureller Unterschiede haben wir festgestellt, dass es große Gemeinsamkeiten zwischen den Jugendlichen in unseren verschiedenen Ländern gibt. Wir möchten gerne gemeinsam weitere Projekte durchführen, um zusätzliche Aspekte und Schwerpunkte im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit besonderen Förderbedürfnissen auszuarbeiten.“
Organisiert wurde die Mobilitätsmaßnahme auf deutscher Seite von Astrid Hildenbrand, der Leiterin des Europateams am BKB, und vor Ort von Dagmar Warlop, „Beleidsmedewerkster“ an De Passer. „Das Jobshadowing war sowohl von deutscher als auch von belgischer Seite hervorragend vorbereitet und hat wertvolle Impulse für die pädagogische Arbeit am BKB geliefert – ein gelungenes Beispiel dafür, wie europäische Zusammenarbeit den Schulalltag bereichern kann“, so ein durchweg begeisterter Wim Waumans.




























