Vier Tage Rheinsteig statt Klassenzimmer: Mit einer freiwilligen Wanderfahrt wollten die wandererfahrenen Lehrkräfte Anna Dosoruth-Lück und Thomas End die Zeit nach den Zeugniskonferenzen sinnvoll nutzen – mit Bewegung, Natur und Gemeinschaft. Das Ziel: Schülerinnen und Schülern aller Bildungsgänge zu zeigen, dass man für ein außergewöhnliches Erlebnis weder weit reisen noch Spitzensportler sein muss. Das mehrtätige Wandern sollte als niedrigschwellige sportliche Aktivität und zugleich als eine Art Klassenfahrtersatz erlebbar werden. Dass dieses Pilotprojekt gleich am ersten Tag beinahe scheiterte, hätte am Ende niemand mehr für möglich gehalten.

Zehn Schülerinnen und Schüler machten sich in Bonn auf den Weg Richtung Bad Honnef. Bereits kurz hinter Oberdollendorf führte der Rheinsteig steil durch Weinberge, Wälder und über aussichtsreiche Höhen des Siebengebirges. Gemeinsam passierte die Gruppe das Schloss Drachenburg, ehe deutlich wurde, dass die Kombination aus hochsommerlichen Temperaturen, rund zehn Kilogramm Gepäck und den vielen Höhenmetern deutlich anspruchsvoller war als bei der Planung am Schreibtisch erwartet. „Wir haben die Belastung ehrlich gesagt etwas unterschätzt“, gibt Thomas End zu. Um die Kräfte sinnvoll einzuteilen, wurde die Route spontan angepasst: Statt den Drachenfels vollständig zu erklimmen, stieg die Gruppe nach Königswinter ab und legte den nächsten Abschnitt mit der Bahn zurück. Trotz der Planänderung standen am Ende des ersten Tages knapp 20 Kilometer auf der Tracking-App.

Rheinsteig1Rheinsteig4Rheinsteig8Rheinsteig11

Noch größer als die körperliche Belastung war die mentale Herausforderung. „Nach diesem ersten Tag hätten wir beinahe vier Schülerinnen verloren, die aufgeben wollten“, erinnert sich Anna Dosoruth-Lück. Doch die Gruppe hielt zusammen. Mit viel Zuspruch, gegenseitiger Motivation und der Entscheidung, die nächste Etappe teilweise über den weniger kräftezehrenden Rhein-Höhen-Weg statt über den ursprünglichen Rheinsteig zu gehen, kehrte die Zuversicht zurück. Diese Entscheidung zahlte sich aus. Auf dem Weg nach Linz am Rhein boten sich immer wieder beeindruckende Ausblicke auf das Rheintal. Einer der Höhepunkte war der Blick von der Erpeler Ley auf die Brückentürme von Remagen und das Rheintal. Nach rund 15 Kilometern und dreieinhalb Stunden reiner Gehzeit erreichte die Gruppe die historische Altstadt von Linz am Rhein mit ihren malerischen Fachwerkhäusern. Übernachtet wurde anschließend in der liebevoll zur Selbstversorgerunterkunft umgebauten ehemaligen Dorfschule im kleinen Ort Hesseln – ein perfekter Ort, um gemeinsam zu kochen, den Tag Revue passieren zu lassen und als Gruppe weiter zusammenzuwachsen.

Am letzten Wandertag führte eine kurze Bahnfahrt zurück auf den Rheinsteig. Noch einmal warteten rund 440 Höhenmeter und über zwölf Kilometer abwechslungsreicher Wanderstrecke durch kleine Dörfer, schattige Wälder und offene Höhen mit weiten Blicken über den Rhein. Das Ziel war die Jugendherberge Kloster Leutesdorf direkt am Rheinufer – und dort war von Aufgeben längst keine Rede mehr. Im Gegenteil: Annmarie Edelhoff (2T25A) fragte unterwegs scherzhaft, warum die Wanderung nicht schon am Montag begonnen habe und warum man nicht am Freitag noch eine weitere Etappe anhänge. Dyana Nejem und Khadija Al Hesso (2G25C) nutzten den Sonnenuntergang am Rheinufer spontan für ein ausgiebiges Fotoshooting und wären am liebsten noch das ganze Wochenende geblieben.

Rheinsteig6Rheinsteig2Rheinsteig12Rheinsteig10

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden zeigen eindrucksvoll, wie sehr die vier Tage nachwirkten. „Ich habe in diesen vier Tagen mehr erlebt als in den letzten zwei Jahren“, fasste Patrik Juresic (1I25A) seine Eindrücke zusammen. Annmarie beschrieb das intensive Zusammenspiel aus Bewegung, Natur und Gemeinschaft mit den Worten: „Ich fühle mich wie auf Drogen“ – gemeint war das überwältigende Gefühl, das die Mischung aus körperlicher Anstrengung, beeindruckender Landschaft und Gemeinschaft auslöste. Sie zog außerdem ein persönliches Fazit: „Ich habe gelernt, dass die allerbesten Menschen in den unerwartetsten Momenten auftauchen und dass man sich trauen sollte, Dinge zu machen, die man noch nie getan hat.“

Auch Najwa Mola (2G25A) nimmt vor allem die persönlichen Erfahrungen mit: Gute Vorbereitung und passendes Schuhwerk seien zwar wichtig – Blasen gehörten bei ihr leider dazu –, dennoch sei das Wandern „eine neue und wunderschöne Erfahrung“ gewesen. Gesundheitsgymnasiast Darius Jordan (1G25A) blickt vor allem auf seine persönliche Entwicklung zurück: „Ich habe mich viel weiter aus meiner Komfortzone getraut als jemals zuvor – und genau das hat sich gut angefühlt. Es war eine schöne und vor allem bereichernde Erfahrung.“ Was als mutiges Pilotprojekt begann und zeitweise auf der Kippe stand, entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Gemeinschaftserlebnis. Die Wanderung zeigte eindrucksvoll, dass gemeinsame Herausforderungen verbinden, Selbstvertrauen stärken und Erlebnisse schaffen, die weit über den Schulalltag hinausreichen. Die Premiere hat damit eindrucksvoll bewiesen, welches Potenzial in einem solchen Angebot steckt – und macht Lust auf eine Fortsetzung. Im kommenden Schuljahr dürfte die Zahl der Interessierten jedenfalls deutlich größer sein.

Berufskolleg-Bottrop-NRW-Talentscout-200x168.jpg Energiesparmeister Logo Logo Verbraucherschule Gold 2025 27 185 19 Logo Digitalpakt Schule 126x50 mit Beschnitt NRW
mint.jpg REACT EU LOGO JPG CMYK