Schaufel, Schlamm und Spaß – BKB-Lehrer im Tagebau Garzweiler

Was eigentlich als Betriebsbesichtigung des großen Braunkohletagebaus in Garzweiler begann, entwickelte sich für 20 BKB-Pädagogen zur reinsten Abenteuerfahrt. Dabei hatte alles ganz harmlos angefangen, als die BKB-Gesandtschaft um Reiseleitung Christiane Piechutta bei strömenden Regen das Informationszentrum der RWE Power AG nahe der riesigen Abbaufläche betrat. Interessiert wurden ein Modell des Tagebaus sowie diverse Stelltafeln mit beeindruckenden Zahlen betrachtet: 90 Mio. Tonnen Braunkohle pro Jahr werden gefördert, Kraftwerke erzeugen 75 Mrd. Kilowattstunden pro Jahr, Versorgung mit Strom von Millionen von Haushalten jährlich.

Bei allem Staunen musste sich der überpünktlich eingetroffene Fremdenführer von RWE Power, Herr Horst, aber auch kritischen Fragen zur Umsiedlung, zu Umweltfragen und zur Nachhaltigkeit stellen, konnte aber viele Bedenken zumindest entkräften, als er über Rekultivierung, Wiederaufforstung und Mitbestimmungsrechte sprach. „Ein sehr qualifizierter Guide, der sehr sachlich und, obwohl natürlich positiv gegenüber RWE eingestellt, den Braunkohleabbau differenziert beschrieben hat.“, stellte auch Lehrerin Birgit Reuter anerkennend fest. Horst betonte, dass, auch wenn die erneuerbaren Energien im Moment den meisten Strom produzieren, Braunkohle auf Platz zwei einen wichtigen Beitrag zum deutschen Energiemix beitrage.

Nach der Einführung begann der wilde Ritt, denn es ging vorbei an großen Braunkohlereservehalden, die bei Pannen oder etwa fehlendem Wind dafür sorgen, dass es weiterhin hell ist und die PCs funktionieren, und entlang kilometerlanger Förderbänder, die die Braunkohle vom jeweiligen Abbauplatz zu Sortierstationen und schlussendlich zur Eisenbahnverladung transportieren. Da Horst immer nur von „Kilometern“ sprach, wurde jedem Teilnehmer bewusst, dass es sich bei Garzweiler um ein Areal von der Größe einer größeren Stadt handelt.

Highlight der Tour war die Fahrt mitten in den Tagebau hinein. Schaufelräder zu sehen, die knapp 22m groß sind und an Baggern hängen, die 13.500 Tonnen wiegen, war höchst imposant. „Dass man die Bagger für uns auch noch anstrahlt, müssen wir positiv festhalten.“, meinte Lehrer Udo Wegmann mit Blick auf die hereinbrechende Dunkelheit grinsend. Noch mehr Humor benötigte die BKB-Reisetruppe aber, als kurz hinter dem Bagger der Bus im Schlamm stecken blieb und es für einen kurzen Moment so aussah, als dass sich RWE mit einigen Vermisstenmeldungen nervöser Angehöriger der Lehrerinnen und Lehrer befassen müsste, da auch die von Herrn Horst angeforderte Abschlepphilfe auf sich warten ließ.

Dank an dieser Stelle gilt der fahrerischen Kompetenz des Busfahrers, der mit viel Beharrlichkeit und Ruhe den Bus aus den Klauen des Schlamms befreite. So konnte der stellvertretende Schulleiter Klaus Wiegert zur Freude aller beruhigt feststellen: „Der Unterricht kann morgen planmäßig stattfinden!“ Nach der Fahrt aus dem Tagebau heraus ging es durch quadratkilometergroße neue Felder auf zugeschüttetem Abbaugebiet und durch aus dem Boden gestampfte Neuansiedlungen für die Bewohner der dem Tagebau gewichenen Ortschaften. Reiseleitung Piechutta zog als Fazit des rundum gelungenen Tages: „Das nächste Mal nehme ich meine Gummistiefel und meinen Schlafsack mit. Wer weiß, wohin uns die nächste Abenteuertour führt…“

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