Klaus Wiegert - Der Zweiradpädagoge

Mit knapp 2250 Schülerinnen und Schülern, über 125 Lehrkräften und vielen weiteren Mitarbeitern ist das Berufskolleg der Stadt Bottrop eine kleine Stadt. Alle Menschen haben ihre ganz eigenen Geschichten. Manche davon werden im Rahmen besonderer Anlässe in der BKB-Homepage-Reihe „Köpfe des BKB“ in unregelmäßigen Abständen näher vorgestellt. Anlässlich seines kürzlich gefeierten 60. Geburtstages wird im folgenden Porträt der stellvertretende Schulleiter Klaus Wiegert ein wenig intensiver durchleuchtet.

Wenn es ein volkstümliches Lied gibt, das auf Klaus Wiegert passen könnte, dann wäre „Ja, mir san mit’m Radl da“ sicherlich in der engeren Auswahl. Denn ohne sein geliebtes Fahrrad läuft bei Wiegert nicht viel: Sei es der Weg zur Arbeit oder die sportliche Betätigung in den Schulferien, des Wiegerts liebstes Zweirad ist immer dabei. Abschalten, die Natur genießen und die Flüsse des Europäischen Binnenlandes erradeln - mehr braucht er (fast) nicht zum Glücklichsein. „Nur im Winter ist es oft zu kalt, zu glatt oder zu nass, da muss ich laufen", schränkt er lachend ein, um direkt mit einem Augenzwinkern anzufügen: „Eigentlich ist mir das Fahrrad dann auch zu schnell.” Des Weiteren freut sich Wiegert aber auch über ausgedehnte Wandertouren in den Bergen: „Zwar bleibe ich höheren Gipfeln fern, aber intensive Routen über angenehme Höhen in den Alpen machen mir ungemein Spaß. Ein bisschen Anstrengung im Urlaub darf ruhig sein.“

Mit Anstregungen jeglicher Art kennt sich der bekennende und leidenschaftliche Techniker Klaus Wiegert als stellvertretender Schulleiter des BKB somit bestens aus – und das nicht nur wegen der bevorstehenden Qualitätsanalyse. Seit 2012 kümmert er sich in seiner jetzigen Funktion neben der Koordinierung der zahlreichen Baumaßnahmen um Schulentwicklung, Konzepte und das pädagogische Miteinander. „Kollegialität, Loyalität und Transparenz sind Werte, für die ich stehe. Das mag auch dadurch bedingt sein, dass ich während meiner Anfangszeit am BKB den einen oder anderen Grabenkampf miterleben musste”, erläutert Wiegert, der bereits zehn Jahre zuvor als Abteilungsleiter für den Bereich Informationstechnik/Elektrotechnik nach Bottrop kam. Seine ersten pädagogischen Sporen verdiente er sich schon seit 1987 als nebenberuflicher Lehrer an der Bergberufsschule in Kamp-Lintfort, ehe es ihn nach dem Referendariat in Velbert in eine weitere Großstadt verschlug: „Bis dahin hatte ich keine Ahnung, dass es Datteln überhaupt gibt", schmunzelt Wiegert.

In der Metropole Datteln kam er dann auch mit dem Fach Informatik in Berührung, dessen Verbreitung er auch in Bottrop vorantrieb, bspw. im Aufbau und der Gestaltung verschiedener Bildungsgänge. Wiegerts anderes Kernfach, neben Elektrotechnik, die Physik, musste zwangsweise in den Hintergrund treten. Auf die Frage, warum er Lehrer geworden sei, vor allem mit Fächern aus dem MINT-Bereich, führt Wiegert vor allem die Familie an: „Mein Onkel, selbst Lehrer am BKB, hat mich sehr geprägt, den technischen Bereich zu wählen. Ein Entschluss, den ich nicht bereue.” Ebenfalls ohne Reue blickt er auf seine Entscheidung zurück, nahe der Schule zu wohnen. „Meine Frau und ich fühlen uns pudelwohl, genießen die Nähe zur Stadt. Und Schüler zu treffen, hat durchaus auch seinen Charme”, lacht Wiegert. Freude bereitet ihm zudem seine H0-Modelleisenbahn, die im Keller auf ihn wartet und seine im Kindesalter begonnene Briefmarkensammlung abgelöst hat. „Neben meinem Sohn und einem guten Buch hilft das am Besten gegen die Winterdepression.”

Dabei hätte Wiegert zu einem Zeitpunkt seiner Berufslaufbahn durchaus Anlass für eine „Depression“ gehabt: 2012, im Jahr seiner Silberhochzeit, entschied sich nämlich die Schulkonferenz gegen ihn als Schulleiter und für seinen jetzigen Vorgesetzten Guido Tewes. „Es hat sich halt so ergeben", kommentiert Wiegert die Entscheidung lapidar. Die Enttäuschung darüber verging aber schnell, als er, auch auf Wunsch des Kollegiums, die Stelle als Tewes’ Stellverteter annahm. Man könnte Wiegert, befragt nach dem Verhältnis zwischen ihm und Guido Tewes, nun Groll oder Neid unterstellen, doch das wäre vollkommen falsch: „Wir schätzen und respektieren uns sehr, arbeiten im Team und wissen, was der andere kann oder nicht kann. Da spielt die offizielle Dienstbezeichnung keine Rolle”, schildert Wiegert das Verhältnis der Beiden. „Wir sind gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe und vertreten eine Linie.” Bei einer Sache übernimmt er aber dann doch gerne die erste Geige: Beim Halten von Reden zu besonderen Anlässen. „Zwar dränge ich mich nicht auf, aber ich glaube, dass ich das ganz gut kann”, so Wiegert, der viele Reden recht frei und nur mit grobem gedanklichem Konzept hält.

Demgegenüber verfolgt Wiegert beim samstäglichen Frühshoppen ein klares gedankliches Konzept. Mit alten Freunden, Bekannten aus der Nachbarschaft klönt er gern in der Bottroper Kneipenlandschaft. Dabei entstehen Gespräche, die er alle zwei Jahre bei einer Bootstour mit den „Jungs" gerne vertieft. „Die mecklenburgischen Binnengewässer haben wir fast alle durch - mal schauen, wohin uns das Boot noch treibt.” Wiegerts breiter und guter Freundeskreis spiegelt seine wohl wichtigste Eigenschaft wieder: „Ich kann gut mit Menschen.” Das zeigte sich schon früh, denn bereits in der 10. Klasse betreute er mit der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) als Gruppenleiter Jugendgruppen - eine glückliche Fügung, denn so lernte er 1980 seine Frau kennen.

Zum Abschluss des knapp einstündigen Gesprächs offenbart Wiegert dann Folgendes: „Ich möchte gelassener werden. Manchmal denke ich zu viel nach.” Die Suche nach Schwächen endet mit diesem Satz. Seine Schulkarriere wird hingegen noch etwas andauern, denn er fühlt sich mit 60 so jung wie mit 40. Jenen, bereits in der Einleitung angesprochenen, runden Geburtstag feierte er dann auch so, wie er als Pädagoge ist: Ruhig und gelassen im Kreise von Freunden und Familie im Garten. Natürlich nah dabei: Sein Fahrrad.

zurück zu den aktuellen Nachrichten