Schauspieler-Duo vermittelt Strategien gegen Stammtischparolen

In einem Workshop zum Thema „Parolen Paroli – Argumentationstraining gegen Stammtischparolen” setzten sich 20 Lehrerinnen, Lehrer und Schulsozialarbeiter des Berufskollegs mit in Worten gefassten Vorurteilen auseinander, mit den ewig neu aufgelegten Allgemeinplätzen genauso wie mit individuellen Erlebnissen aus Unterricht, Sportverein, Spielplatz, Kneipe oder Familienfeier. Mithilfe der Experten Jürgen Albrecht und Christine Kättner, beide Schauspieler, Sprecher und zertifizierte Theaterpädagogen, wurden Gesprächstechniken besprochen und in Simulationen ausprobiert, um vielleicht künftig der Plattitüden-Ohnmacht entgegenwirken zu können. 

Denn Ohnmacht, Hilflosigkeit und Wut seien durchaus übliche Reaktionen, wenn man von xeno- oder homophoben Stammtischparolen-Klassikern wie „Die Flüchtlinge/Ausländer/Wer auch immer wollen eh nur unser Geld“, „Die Hartzer leben nur auf unsere Kosten“, „Schwulsein ist unnormal“ überrumpelt wird. Aktuell geklettert in der Tiraden-Hitparade aber keineswegs weniger nervend, hanebüchen, schockierend und beleidigend: „Corona ist nicht schlimmer als eine Grippe“, „Schuld sind die Türken mit ihren Familienfeiern“ oder auch die Frage, ob sich die Lehrer in den Corona-Ferien auch gut erholt hätten. 

Es sei durchaus nachvollziehbar, wenn man, wie ein Teilnehmer des Workshops berichtete, „einfach keinen Bock“ habe, darauf zu reagieren. „Allerdings“, so Jürgen Albrecht, „wer nichts sagt, hat eine Chance vertan. Es reicht ja zu sagen, ich bin anderer Meinung. Nichts sagen kann von Umstehenden als Zustimmung gedeutet werden. Reagieren Sie, reinigen Sie die Luft! Sie treffen möglicherweise auf fruchtbares Feld bei Unentschlossenen. Sehen Sie die Parole als Chance in den Diskurs zu kommen.“ 

Das von Prof. Dr. Klaus Peter Hufer an der Universität Duisburg-Essen entwickelte Argumentationstraining sieht verschiedene Techniken vor, diese Diskurs-Chancen zu gestalten und überzeugend zu nutzen: Vermeidung von Parolenspringen (d.h. nicht zulassen, dass eine Parole nach der anderen von sich gegeben wird), Initiative ergreifen, Gesprächsregeln herstellen, gezieltes Nachfragen, nicht belehren und moralisieren, aber klar positionieren, das pauschale „Die“ (Ausländer, Flüchtlinge, Schwule etc.) auflösen und konkrete Beispiele einfordern – nur einige Beispiele des im Workshop behandelten Strategie-Plans. 

Die Teilnehmer der vom UE-Team organisierten Fortbildung zeigten sich begeistert und fühlen sich dank des „fundierten“, „gut strukturierten“, „sehr informativen“ und „unterhaltsam und kompetent geleiteten“ Workshops fortan gut gerüstet. „Ich freue mich sogar ein bisschen auf die nächste Parole“, so Deutschlehrerin Birgit Reuter. 

Parolen-Paroli auch im Klassenraum

Der Workshop, ermöglicht von der Integrationsagentur Bottrop und gefördert vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, wurde auch schon in zwei Schulklassen des Berufskollegs durchgeführt und traf den Nerv der Schülerinnen und Schüler. Weitere Informationen zu den Angeboten, Preisen und Fördermöglichkeiten gibt es unter www.parolen-paroli.de.

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