Döner oder Theater?

Aristophanes. Shakespeare. Ibsen. – Bildungsinhalte, die man nicht an erster Stelle mit dem Berufskolleg assoziiert. Dennoch wagten die Englischlehrerinnen Conni Wolf und Anna Dosoruth den Versuch, auch den sich primär berufsqualifizierenden Fach- und Vollabiturienten am Berufskolleg die darstellende Bühnenkunst etwas näher zu bringen. Aufgeführt wurde das moderne 2-Personenstück „Kissing like Juliet“, eine Art Zeitreise durch verschiedene Stile, Stücke und Epochen. Und dann auch noch in englischer Sprache. Reaktionen und Resonanz beim Publikum waren höchst unterschiedlich.

Sören und Philip, zwei Kaufmännische Assistenten, die erst eine Woche zuvor von einem vierwöchigen Auslandspraktikum aus Dublin zurückgekehrt sind, waren sehr erfreut darüber, ihre gewonnenen Fremdsprachenkenntnisse erneut auf die Probe stellen zu können. „Ich habe fast alles verstanden. Die beiden englischen Schauspieler haben sehr klar und deutlich gesprochen und wir haben uns auch noch kurz mit ihnen im Anschluss unterhalten“, so Sören. Auch Jaqueline aus der Gymnasialen Oberstufe der Informationstechnischen Assistenten fand das Stück amüsant, den Schauspieler Peter Biggs sehr gut – die Schauspielerin Jennifer Thomas allerdings „sometimes a little bit annoying“ (manchmal etwas nervig; Anm. d. Red.). Alina aus der Höheren Handelsschule hielt hingegen 6,50 Euro Eintritt schlichtweg für zu teuer und bekam Unterstützung von Mitschüler Deniz: „Dafür hätte ich zwei Döner bekommen.“

Nicht perfekt, aber der richtige Weg

„Das Projekt steht ganz am Anfang und es gab sicherlich einzelne organisatorische Kinderkrankheiten, die es künftig zu heilen gilt. So müssen wir beispielsweise beachten, dass Theateraufführungen nicht mit den offiziellen Schulpausen kollidieren, damit nicht zu viel Unruhe durch neugierige Kiebitze entsteht“, so die Initiatorinnen Conni Wolf und Anna Dosoruth unisono über einige nicht beteiligte Schüler, die aus den Klassenräumen der oberen Stockwerke strömten und über die Balustraden etwas zu euphorisch in Interaktion mit Schauspielern und Zuschauern traten.

Unser Schulleiter Guido Tewes war trotzdem begeistert: „Natürlich müssen wir uns die Frage stellen, wie viel kulturelle Bildung wert ist und für unsere Schüler, die eben nicht alle von den Eltern unterstützt werden, kosten darf. Außer Frage steht jedoch, dass wir unsere Jugendlichen, die die Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife anstreben, auch weiterhin kulturell anregen wollen."

Die nächste Aufführung steht so gut wie fest. Im Februar soll dieAmerican Drama Group das Stück „David Copperfield" des Autors Charles Dickens darbieten, dessen Geburtstag sich im Jahr 2012 zum 200. Mal jährt.

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