BKB-Schülerin Laura Münch für Praktikum in Bordeaux ausgezeichnet

Die Schülerin des Berufskollegs Laura Münch, angehende Kauffrau im Groß- und Außenhandel bei BRABUS, hat im Rahmen des IHK-Forum „Aus- und Weiterbildung weltweit“ für ihr Betriebspraktikum in Frankreich das Zertifikat „Europass Mobilität“ aus den Händen des Gelsenkirchener Bundestagsabgeordneten Joachim Poß erhalten. Organisiert von Stefanie Houben, am Berufskolleg zuständig für die Vermittlung von Auslandspraktika und EU-Stipendien, verbrachte Laura Münch im Frühjahr vier Wochen in Bordeaux. Ihre Eindrücke und Erlebnisse schildert die frankophile Laura in einem eindrucksvollen Erfahrungsbericht. 

„Zuallererst kann ich sagen: Ich würde es immer wieder machen! Die Unmengen an positiven Erfahrungen, die persönliche Weiterentwicklung und auch das Kennenlernen und Annehmen einer komplett anderen Lebensweise. 

Frankreich, Bordeaux, eine wunderschöne Stadt, auch das kleine Paris genannt. Mitten im Zentrum ist man umgeben von einer sehr schönen, alten Architektur, weiter außerhalb von den typisch französischen ‚Baracken‘. Jedes Viertel bietet etwas neues, hat seinen ganz eigenen Charakter und einen unheimlichen Charme, das eine mehr, das andere weniger. 

Savoir-vivre – Franzosen verstehen zu leben 

Die Franzosen wissen, wie man das Savoir-vivre richtig lebt. Genießer, das sind die Franzosen für mich. Sie sind ruhig und gelassen, verbringen viel Zeit mit Freunden und lassen sich selten stressen. Die Deutschen, komplett das Gegenteil (nicht nur in meiner eigenen Sicht, auch im Ausland dafür bekannt), strikte Pläne, ordentlich und pünktlich. Einen geschlossenen Blick und Arbeit als oberstes Gebot, sodass man vergisst wie das Leben wirklich schmecken kann. In Frankreich ist alles viel kreativer, offener und vor allem einfacher. Die Menschen sind integriert und stolz auf ihre Lebensweise. Höflichkeit ist eine Eigenschaft, die dort sehr groß geschrieben wird. Entschuldigung, Bitte und Danke - Wörter die man benutzen sollte, auch wenn es gar nicht nötig ist oder man selbst eigentlich  gar nichts gemacht hat. Der Umgang unter- und miteinander wird dadurch stark erleichtert. 

Meine Gast-Omi und mein Betrieb 

Meine Gastfamilie bestand eher aus einer Gast-Omi, Mitte 60 und sehr erfahren, was Praktikanten aus aller Welt betrifft (ich war vermutlich die 100ste). Sie war höflich, nett und vor allem hilfsbereit. Zudem habe ich durch sie und ihre Geschichten auch mal die andere Seite eines Auslandsaufenthaltes kennengelernt. 

Mein Praktikumsbetrieb ORIGINBY bestand aus vier Mitarbeitern (die Chefin und ihr Ehemann sowie zwei Näherinnen) und weiteren Praktikanten. Der Betrieb gehört zum Projekt Darwin, welches ökologisch verantwortliche Firmen unterstützt und fördert. Coworking wird dort ganz groß geschrieben, d.h. alle dort ansässigen Firmen arbeiten zusammen, helfen sich gegenseitig und haben somit einen direkten Zugriff auf eine riesige Spannweite an Wissen, Fähig- und Fertigkeiten. ORIGINBY produziert im hauseigenen Atelier recyclebare Kleidung aus gesammelten und gespendeten Stoffen für Mädchen und Frauen, alles per Handarbeit und jedes Stück ein Unikat. Die Firma arbeitet mit den verschiedensten jungen, sich im Start befindenden oder erfahrenen und gestandenen Designern zusammen, die ihre eigene Kollektion entwerfen. Es wird ausschließlich in Frankreich produziert und nur online verkauft. 

Meine Arbeit – vom Schreibtischjob bis zum Fotomodel 

Meine Tätigkeiten beschränkten sich auf den Marketing Bereich. Ich habe viel im Internet recherchiert, anfangs eine  Inventur durchgeführt (um so auch die Produktpalette kennenzulernen), die neue Kollektion fotografiert, selbst Model gestanden und anschließend die Fotos mit Photoshop und Lightroom bearbeitet. Zudem habe ich die Imagemappe von Französisch auf Deutsch und auf Englisch übersetzt und durch all diese Tätigkeiten meine Sprachkenntnisse besonders gut vertieft. Des Weiteren habe ich die verschiedensten PC-Programme auf Französisch erlernt, verstanden und damit gearbeitet. Ich durfte den lockeren, ruhigen und freundschaftlichen Umgang unter den Kollegen kennenlernen. Die Arbeit in Frankreich ist gelassener, kaum stressig und kreativer, auch mal etwas Neues auszuprobieren, ohne einen genauen Plan. 

Blick über den Tellerrand 

Das Ausbildungssystem in Frankreich verläuft komplett anders als in Deutschland. Die meisten Franzosen studieren, da dort fast jeder studieren kann, einen Studienplatz kriegt und Wahlfreiheit hat, was den Studiengang betrifft. Es gibt also weniger Vorschriften, wodurch man einerseits mehr Möglichkeiten hat, andererseits aber auch weniger, da es so etwas wie das duale System gar nicht gibt, welches dort aber sehr hoch angerechnet und begehrt ist. Im französischen Arbeitsleben gibt es keine strikten Pläne, man lernt jedoch viel, da man zu jeder Zeit offen für gerade anfallende Tätigkeiten sein muss. 

Neue Freunde weltweit 

Eine Menge positive Erfahrungen habe ich mit nachhause genommen. Natürlich gehört eine gewisse Portion Glück dazu. Zudem sollte man (gerade bei nur einem Monat Aufenthalt) gute sprachliche Vorkenntnisse besitzen. Diese konnte ich aber sehr, sehr gut vertiefen und ausbauen, gerade was den alltäglichen Gebrauch anging, da man dieses doch sehr schnell in der Schule verlernt. Die Franzosen sind sehr offen und hilfsbereit gegenüber ausländischen Praktikanten, die die Sprache beherrschen. Zudem lernt man eine andere Kultur und Lebensweise kennen, der man sich annimmt und Teile davon auch aufnimmt. Auch Freundschaften mit anderen ausländischen Praktikanten (aus Italien & Spanien) habe ich geschlossen, wodurch man seinen Horizont wieder ein Stück erweitert. Man lernt noch weitere Kulturen, Mentalitäten und Lebensweisen kennen und bleibt international in Kontakt. 

Meine Sprachkompetenz ist erstaunlich gewachsen. Ich muss gestehen: das hätte ich NIE erwartet (bei nur einem Monat Aufenthalt). Man ist so in dem französischen Trott, dass einem manche deutschen Wörter schon gar nicht mehr einfallen, geschweige denn man in der Lage ist deutsche Berichte ordentlich auszuschmücken. Man antwortet automatisch auf Französisch. Gerade alltägliche Kleinigkeiten drücke ich heute noch auf Französisch aus. Meine häufigste Frage nach meiner Ankunft in Deutschland war: Wie sagt man XY auf Deutsch?

Ich hätte NIE im Leben gedacht, dass man sich in einem Monat so weiter entwickeln kann. Man wächst und reift ungemein, wird selbstständig und lernt sich selbst und sein Leben zu organisieren. Zudem hat sich mein Blick auf die Welt stark erweitert. Man lernt wie unterschiedlich Menschen doch sind und trotzdem können sie stark zusammen wachsen und eine Menge voneinander lernen. Ich persönlich bin ruhiger und gelassener geworden, dieses Gefühl – ich  hab es gemeistert - stärkt das eigene Selbstvertrauen. Eine unvergessliche Erfahrung!“

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