Bereits zum fünften Mal gastierte das Ensemble Theatertill am Berufskolleg und erneut gelang es den Schauspieler*innen mit ihren Berichten gegen Gewalt hitzige Diskussionen im Publikum auslösen. Hintergrund: Die Zuschauenden wissen nicht, dass die Bühnenakteure fiktionale Geschichten erzählen.

Im Publikum sitzen also knapp 400 ahnungslose Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Bildungsgängen und auf der Bühne nehmen fünf Personen Platz. Dem Publikum wird erzählt, dass die Agentur „Mensch-aber wie?“ diese fünf  Personen geschickt hat, um zu berichten, wie sie mit Gewalt in Berührung gekommen sind.

Theatertill 2Betroffen und gebannt verfolgen alle zunächst dem Bericht von Richard, der mit ansehen musste, wie sein Freund zum Krüppel geschlagen wurde und der seitdem als Erster zuschlägt. Nach dem Motto: ist jemand nett zu mir, bin ich auch nett zu ihm. Sucht jemand Streit, schlage ich zu. Ihn finden die Schüler*innen toll, weil er cool ist, ihre Sprache spricht und sich nichts gefallen lässt. Dann ist da noch der Lehrer, der den Schüler*innen Toleranz und Respekt vermitteln wollte, den die Schule aber so desillusionierte, dass er aus Angst und Frust einen Schüler zusammenschlug. Auch ihn mögen die Schüler*innen und haben Mitleid mit ihm. Eine Frau erzählt, dass sie einem Vergewaltigungsopfer geholfen hat und dabei selber schwer verletzt wurde. Diese Situation erinnerte sie an ihre eigene von Gewalt geprägte Kindheit. Deshalb rät sie den Schüler*innen, sich einzumischen. Ein Nazi erzählt, dass er einen asiatischen Laden aufmischte und Inhaber und Angestellte verletzte und Nicole soll eine Mitschülerin durch Mobbing in den Tod getrieben haben. Der Ausländerhass des Nazis und die Ignoranz der Schülerin, die eine Mitschülerin in den Tod getrieben haben soll, löst im Publikum heftige Reaktionen und Diskussionen aus, die auch in einer anschließenden Frage-Runde mit den Gewalttätern sehr emotional fortgesetzt wurden. Die Überraschung kam am Schluss: die Figuren gaben sich als Schauspieler*innen zu erkennen.

Aus dem Publikum gab es überwiegend Anerkennung für die gute schauspielerische Leistung der Akteure. „Obwohl sie von anderen Schüler*innen das Gerücht hörten, dass es sich um ein Theaterstück handele, konnten sie das zunächst nicht glauben, weil besonders einer der Schauspieler sehr authentisch wirkte“, fasst Deutschlehrerin Melanie Hüßhoff das Feedback ihrer Klasse, der 2K21A, zusammen. Ihr Schüler Jan Biel sagte, obwohl er später schon wusste, dass es sich um eine gespielte Situation handelte, konnte er es nicht stehen lassen, dass jemand so schrecklich über "Japsen" herzog. Es war ihm auch völlig egal, dass der Lichthof voll war - er wollte unter keinen Umständen solche Aussagen unkommentiert stehen lassen. Ihm schlossen sich viele Schüler*innen an.  „Insgesamt fanden sie, dass sich das Stück sehr gelohnt hat“, so Melanie Hüßhoff.

Auch Kasum und Müberra aus der 6W21A fanden das Theaterstück „sehr interessant und unterhaltsam. Die Schauspieler*innen haben ihre Rollen verständlich bzw.  ganz echt gespielt.“

Das Theater-Organisationstrio Cornelia Wolf, Anna Dosoruth-Lück und Beatrix Wessel zeigte sich nach der langen Theaterpause glücklich. „Wir sind sehr froh, dass wir nach zwei Schuljahren ohne Theaterstück auf der BKB-Bühne endlich wieder diese Form der kulturellen Bildung realisieren konnten.“