„Die meisten wissen diese Chance auch zu nutzen“

Seit vergangenem Schuljahr ist das Berufskolleg Teil des von der NRW-Landesregierung initiierten und geförderten Programms „Talentschule.“ Das Ziel dieser Talentschulen ist es, Lernende mit besonderen sozialen Herausforderungen so zu fördern, dass sich diese nicht auf den Bildungserfolg auswirken. Am BKB ist für die Talentschul-Klasse 6T20A deshalb der Stundenplan so konzipiert, dass durch eine vielfältige Berufsfelderkundung individuelle Talente gefunden und gefördert werden können. 

Klassenlehrer Robert Trimborn nennt seine Schützlinge liebevoll einen „netten Haufen verrückter Typen.“ Für viele sei es bereits der 2. oder 3. Versuch, schulisch zum Erfolg zu kommen. „Zuvor haben sie nicht so tolle Erfahrungen mit Schule gemacht, zum Teil aufgrund von Schulängsten, einem schwierigen Elternhaus, Sprachschwierigkeiten, oder weil sie eben speziellen Förderbedarf haben. Mit mehr Praxisanteilen und Abwechslung versuchen wir neue Möglichkeiten aufzuzeigen und die Vorstellung, dass man in der Schule nur mit Zahlen und Texten umgehen muss, zu revidieren“, so Trimborn. „Und die bisherigen Erfahrungen zeigen: die meisten wissen diese Chance auch zu nutzen.“ 

Ganz ohne die Hauptfächer Mathe, Englisch und Deutsch geht es zwar auch in der Talentschule nicht – schließlich streben die Lernenden den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 an - dazu kommen aber in ausgeprägter Form die fachpraktischen Fächer Metall-, Elektro- und Holztechnik. „Gerade in den Werkstätten macht den meisten die Arbeit viel Spaß“, erzählt Fachpraxislehrer Hans-Ulrich Hafner, der gemeinsam mit Hans Malyga das Arbeiten mit Holz unterrichtet. Nachdem die Schüler*innen gelernt haben, mit unterschiedlichen Werkzeugen umzugehen, haben sie Nistkästen und Insektenhotels gebaut. Als nächstes steht ein Mensch-ärger-dich-nicht-Holzbrettspiel auf dem Werkstatt-Arbeitsplan, den die Klasse in Abstimmung mit den Lehrern erstellt hat. 

Lucas Schulte-Zweckel (Foto) ist einer, der sehr viel Begabung im Handwerk zeigt. „Er kommt von der Förderschule, hat bei kognitiven Inhalten Probleme, aber Wille und Zuverlässigkeit bis zum Gehtnichtmehr. Fehlstunden: Fehlanzeige! Absolute Rarität im Bereich Ausbildungsvorbereitung“, schwärmt Klassenlehrer Trimborn. Lucas möchte nach erfolgreichem Abschluss der 6T am BKB bleiben und – wie die meisten seiner Mitschüler*innen – in der 5T (andere in der 5H) auch den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 erwerben, um schließlich eine Ausbildung im IT-Bereich zu machen. 

„Da wäre er gut aufgehoben“, sagt Robert Trimborn, der bei vielen Walking-Einheiten im Park (pandemisch-bedingter Sportunterrichtersatz) ein weiteres Talent bei Lucas entdeckt hat. „Ein absolutes Brain in Sachen Handy. Lucas hat mir etliche Vorträge zu Hard- und Software von Handys gehalten, hat mir Vor- und Nachteile von Huawei, Samsung, Apple und Co. aufgelistet und in allen Einzelheiten erläutert, so dass ich vor lauter technischer Fachbegriffe nur noch Bahnhof verstanden habe.“

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